Deutsch-Polnische Freundschaft: Gauck besucht Polen


© Thomas Becker - Fotolia.com

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Seinen ersten Staatsbesuch meisterte der neuen Bundespräsident Joachim Gauck mit Bravour. Die erste Reise seiner gerade angetretenen Amtszeit führte ihn ins Nachbarland Polen. Hier wurde er mit viel Herzlichkeit und Offenheit von Staatspräsident Bronislaw Komorowski empfangen. Anders als bei anderen Staatsbesuchen musste man sich nicht erst “beschnuppern”, sondern verstand sich auf Anhieb blendend. Den Weg hierfür hatten bereits andere vor Gauck bestritten, sodass gar nicht erst eine Krisenstimmung aufkam. Bereits Roman Herzog hatte in den 1990er Jahren eine bewegende Rede zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstandes gehalten und auch Bundespräsident Rau hatte mit seinem “Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität” einen Weg beschritten hin zur gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte.

Joachim Gauck wurde zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt im Schloss Belweder zum Abendessen empfangen. Geladen hatte Staatspräsident Bronislaw Komorowski. Es folgte ein Hauskonzert des Pianisten Piotr Paleczny. Die beiden Männer verstanden sich gut, teilen sie doch einen vielfältigen Erfahrungsschatz. Beide sind Väter mehrere Kinder und kennen sich aus mit Erfahrungen einer Gewaltherrschaft. Vor der Kamera wirken die beiden gelöst und Gauck betonte, dass er ein “älterer Deutscher” sei und ihm deshalb besonders an der Aufarbeitung der Frage deutscher Schuld gelegen sei. Gauck stellte zufrieden fest, dass es bei den Gesprächen mit dem Gastgeber nicht um die Vergangenheit ging, sondern um die Gegenwart und Zukunft. Man wolle vielleicht gemeinsam etwas veranstalten in der Bewegungsstätte Kreisau und das deutsch-polnische Jugendwerk weiter fördern. Auch Ideen eines Rockfestivals für Jugendliche beider Länder kamen auf.
Das Überraschungsgeschenk des Gastgebers, ein gerahmtes Plakat vom Juni 1989, zeigt Gary Cooper im “High Noon” wie er zum Duell schreitet, doch statt einer Colts hält er einen Stimmzettel mit dem Wort “Solidarnosc” in der Hand. Dieses Plakat hatte die Wähler damals zu einer ersten freien Wahl bewegt. Das Plakat hängt jedoch schon seit Jahren in Gaucks zu Hause, da ihn und andere in der DDR es ermutigt hätte. Nun wolle er das Geschenk im Schloss Bellevue aufhängen.
Zum Abschluss seine kurzen Reise legte Gauck dann noch Gebinde vor zwei Gedenktafeln nieder. Eine erinnert an die 296 Parlamentarier, die unter deutscher und sowjetischer Besatzung ums Leben kamen, die andere an die Opfer des Flugzeugabsturzes im russischen Smolensk.

154 Kommentare

  1. Hans sagt:

    Es ist zu begrüßen, dass es bei dem Treffen nicht nur um die Vergangenheit ging. Wer zu lange mit der Vergangenheit beschäftigt ist, verliert den Blick für die Zukunft. In der Gegenwart sollte die europäische Einheit im Vordergrund stehen.

  2. Sebastian H sagt:

    Gauck hat betont, er als älterer Bürger, würde sich besonders für die Aufarbeitung der Frage der deutschen Schuld interessieren. Für die Jüngeren indes ist klar, dass sie keine Schuld an den Verbrechen trifft. Es ist eine gemeinsame Aufgabe Rechtsextremismus zu bekämpfen.

  3. Steffen sagt:

    Also leider ist es noch nicht so, dass die deutsche und die polnische Jugend sich so richtig verstehen. Wenn ich mir da leider auch die polnische Presse ansehe macht sie es ja leider auch nicht gerade besser.

  4. Micha sagt:

    Für mich ist Polen ein Land wie jedes andere. Im positiven Sinne, es ist ein Nachbar in den man gerne reist, aber dem man bei der Modernisierung eben noch ein wenig helfen muss.

    Aber das muss man ja bei den Griechen schließlich auch.

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