Grauzone: Osteuropäische Pflege in Deutschland


panthermedia.net/Michiko Tierney

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Es ist ein Markt in der Grauzone der ordentlich floriert. Nicht alle Beteiligten haben letztendlich etwas davon, aber großes Geld können damit vor allem die verdienen, die diesen Job vermitteln. Es geht um Pflegekräfte aus Osteuropa. Frauen, die nach Deutschland kommen und Senioren manchmal bis zu 24 Stunden am Tag betreuen.
Die 85 jährige Frau Meier sitzt in ihrem Sessel im Wohnzimmer, ihre Gehhilfe steht nah neben ihr. Vor knapp zwei Jahren verlor sie ihren Mann und kurze Zeit darauf auch die Fähigkeit, den kompletten Haushalt allein zu bewältigen. Gebrechlichkeiten erschwerten ihr den täglichen Tagesablauf, aber der Umzug in ein Heim kam für sie nicht infrage. Schließlich lebt sie jetzt seit mehr als 30 Jahren hier. Ihre Söhne leben nicht in der Nähe und selbst wenn, sie haben Vollzeitjobs und eine eigene Familie. Wer soll sich also um die alte Dame kümmern? Frau Theresa lebt nun hier. Sie wohnt in einem der Zimmer der Söhne und kümmert sich täglich von früh bis spät um die Rentnerin. Fragt man sie, wie viel Geld sie verdient, schweigt sie jedoch. Das ist nicht unüblich. Sie kam über eine deutsche Vermittlungsagentur in die Bundesrepublik, kommt jedoch ursprünglich aus der Nähe von Warschau. Es ist ein umstrittenes Geschäftskonzept, für das sie arbeitet, auch wenn ihr das wahrscheinlich selbst nicht so bewusst ist. An ihr verdienen ein deutsches und ein polnisches Unternehmen, die Zahlungen der Sozialabgaben in Deutschland werden clever umgangen.
Somit gibt es auch keine genauen Zahlen übe die Größe dieses Marktes. Es kursieren Zahlen, die bei Weitem nichts mit der Realität zu tun haben. Will man sich an diese annähern kann von Zahlen von 100.000 bis 150.000 Osteuropäerinnen, die schwarz in Deutschland arbeiten, ausgehen.
Kein Wunder, denn die Haushaltshilfen werden gebraucht. Deutsches Betreuungspersonal für 24 Stunden am Tag zu engagieren, das wäre für die meisten unbezahlbar. Dennoch ist der Bedarf da, denn viele ältere Menschen haben entweder gar nicht erst Familienangehörige die sie pflegen können, andere haben zwar Familie, doch diese kann oder will sich nicht um sie kümmern. Die Geschäftsidee floriert vor allem auch deshalb, weil die Frauen aus Osteuropa selbst mit so manchem Dumpinglohn mehr zufrieden sind als mit dem Gehalt einer Verkäuferin in ihrer Heimat. Nur manche der Frauen haben tatsächlich Glück. Sie bekommen einen Arbeitsvertrag direkt mit ihrem Arbeitgeber, zahlen Steuern und arbeiten acht Stunden am Tag. Sie haben Urlaub und verdienen auch ganz gutes Geld. Es sind jedoch nur die Wenigsten. Kaum eine der Frauen hat einen offiziellen Arbeitsvertrag, geschweige denn verdient sie ein angemessenes Gehalt, sie kümmern sich rund um die Uhr um die Senioren, haben weder Urlaub noch einen freien Tag – manche sprechen gar von moderner Sklaverei.
Es muss sich etwas ändern, denn das Problem ist offiziell bekannt. Konkret unternommen wurde bisher jedoch nichts. Im letzten Jahr gab es zumindest einen Versuch. Die Bundestagsfraktion der Union formulierte die Absicht für die illegalen Kräfte eine Amnestie auszusprechen, damit dieser Markt vollständig legalisiert werden würde. Der Plan wurde jedoch wieder fallen gelassen. Sicher kam man schnell dahinter, dass in diesem Fall Rentner wie Frau Meier dann ganz schnell wieder allein zuhause sitzen würden.

17 Kommentare

  1. Laura sagt:

    Das Thema Pflege ist und bleibt ein Probelm in Europa. Ich meine ich habe nix gegen Polinnen, die hier arbeiten nur, gibt es eben doch auch genug Pflegekräfte hier oder sehe ich das so falsch?

  2. Andrea sagt:

    Das siehst du ganz und gar nicht falsch Laura. Nur sind diese Fachkräfte sehr teuer und haben nicht wirklich die Zeit sich individuell um jeden einzelnen zu kümmern. Und oftmals geben dieses Frauen, dem Menschen den sie pflegen mehr Zuwendung.

  3. Alex sagt:

    Ich sehe auch das Problem darin, dass manche Familien es ausnutzen und diese Frauen schwarz arbeiten, ohne irgendeine Versicherung. So soll es ja auch nicht sein oder? Ich finde das ist ein ganz großes Manko.

  4. Andrea sagt:

    @Alex

    Darüber müssen wir gar nicht sprechen. Das ist leider in vielen Branchen so, wenn man sich allein ansieht wie viele Menschen schwarz reinigen gehen, bei großen Unternehmen, kann man sich das Ausmaß hier locker vorstellen.

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