Kindererziehung in Tschechien

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Seit 2000 ist es in Deutschland verboten, die Prügelstrafe bei Kindern anzuwenden. In Tschechien dagegen ist sie nicht nur nicht verboten, sondern auch heute noch eine gängige Methode um Kinder für etwas zu bestrafen. Laut Umfragen nutzen sie sogar drei Viertel aller Eltern als Erziehungsmethode. So auch die Journalistin Anna Page. Sie wollte ihrem Sohn diese Methode eigentlich ersparen, doch er habe sie gar nicht wahrgenommen, wenn sie versucht hat, ihm die Dinge zu erklären. Der Klaps auf den Po erschien ihr da als das einzig hilfreiche Mittel ihrem Kind klarzumachen, wo die Grenzen sind. Sie meint es wäre für ihn ein eindeutiges Signal, bei dem er weiß, das er etwas tut, was er nicht tun darf. Sie begründet ihre Erziehungsmethode auch damit, dass es ihr selbst als Kind auch nicht geschadet habe, und erklärt es sei ihr als Kind sogar lieber gewesen, als ewig lange über eine Sache zu diskutieren. Genau das ist aber der Punkt, mit dem auch viele andere Eltern argumentieren. Ihnen habe es nicht geschadet, also können sie es auch weiterhin mit ihren Kindern so handhaben. Es ist ein Kreislauf, der nur schwer durchbrochen werden kann, denn die eigenen Eltern leben es so vor. Selbst die Kinder haben diese Methode schon so verinnerlicht, dass sie es für ihre eignen Kinder ebenfalls als probates Mittel in Erwägung ziehen. Ein elfjähriges Mädchen sagt beispielsweise, dass sie es unfair findet, wenn ihre Eltern sie schlagen, schließt die körperliche Züchtigung aber bei eigenen Kindern nicht aus. So wolle sie ihre Kinder zwar nicht wegen schlechten Noten mit Schlägen bestrafen, aber wenn sie ihre Geschwister verhauen würden, könnte schon mal eine Ohrfeige drin sein.
Dzamila Stehlikova ist der Meinung das es nicht im Bereich der Eltern liegt überhaupt darüber entscheiden zu dürfen ob sie die Strafe anwenden oder nicht. Sie ist Psychiaterin und war bis 2009 Menschenrechtlerin in Tschechien. Für die Abschaffung der Prügelstrafe hat sie geworben, war aber bisher leider erfolglos. Die Gesellschaft lehnte ihre Einwände bisher ab, denn viele empfanden das als Einmischung in die Privatsphäre. Für Stehlikova light das Problem vor allem darin, dass bei einer Erlaubnis dieser Art von Strafe die Grenzen fließend sind. Wo hört ein Klaps auf und wo beginnt Misshandlung? So sagt sie das es in Tschechien verhältnismäßig recht viele Fälle gibt in denen Kinder aufgrund von Misshandlungen sterben, während die Eltern vor Gericht angeben sie hätten ihr Kind nur bestrafen wollen und die Situation sei ihnen dann entglitten.
Leider sehen auch die meisten Politiker nicht ein, warum sie sich für ein Verbot aussprechen sollten. Dass es für die Kinder nicht nur ein körperlicher Schmerz ist, sondern das sie es auch als Demütigung empfinden von den eigenen Eltern geschlagen zu werden, stösst hier meist auf taube Ohren. Bis die tschechische Gesellschaft umdenkt, könnte daher noch einige Zeit vergehen.

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