Massentourismus in Bulgarien


© Sven Käppler - Fotolia.com

© Sven Köppler - Fotolia.com

 

Sonne, Strand und Alkohol: Notgedrungen denkt man da sofort an Ibiza oder den Ballermann. Dass sich aber auch die Urlaubsregion am Schwarzen Meer in Bulgarien immer mehr zum Pilgerort des Sauf-Tourismus entwickelt, weckt zwiegespaltene Gefühle. Eine Region zwischen kapitalistischem Gewinndenken und moralischen Imageproblemen – möchte sich der Tourismus von Bulgarien wirklich so positionieren?
Der acht Kilometer lange Sonnenstrand im bulgarischen Slantschew Brjag ist mittlerweile eine Hochburg für alle, die billigen Alkohol, illegale Drogen oder Prostituierte suchen. Ein Glas Whisky gibt es bereits für einen Euro, 0,3 Liter Bier gibt es noch billiger. Eine Übernachtung im Drei-Sterne-Hotel gibt es bereits für 15 Euro – inklusive Frühstück. Zwielichtige Geschäftsmänner ziehen herum, immer wieder wird man wegen Tabletten oder Drogen angesprochen. Dass immer mehr Touristen deswegen in Krankenhäusern landen, ist nur eine Schattenseite des Sauf-Tourismus. Und dass das Personal der Hotels und Bars zähneknirschend dabei zu sehen muss, wie ihre Heimat ruiniert wird, ist nur eine weitere. Doch der Erfolg und der große Gewinn rechtfertigen eben so einiges: Die Region rund ums Schwarze Meer boomt wie noch nie, über den August waren beinahe alle großen Badeorte wie Albena im Norden oder Slatni Pjassazi ausgebucht. Noch dazu ist der Tourismus für ganz Bulgarien enorm wichtig: Er macht immerhin mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts aus.
Doch die Stimmen aus Bulgarien mehren sich, die mit gutem Recht fordern, nicht nur noch auf billige Drinks, Drogen und Sex zu setzen. Nicht nur, dass das eigene Land, reich an kulturellen und landschaftlichen Schätzen, so mit Füßen getreten wird, auf lange Sicht ist ein solches Image alles andere als förderlich für den Tourismus.

Hinterlasse ein Kommentar