Tourismus mal anders: Korruptionsplätze in Prag


© panthermedia.net/Ueli Bögle

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Tourismus mal ganz anders: Bei der tschechischen Reiseagentur „CorruptTour“ ist der Name Programm. Was einst als Satire in der Hauptstadt Prag begann, erfreut sich mittlerweile überwältigender Beliebtheit. Anstatt die üblichen touristischen Hotspots wie die Karlsbrücke, das goldene Gässchen und die Prager Burg abzugrasen, führt einen eine Stadtführung von „CorruptTour“ an das übertrieben streng bewachte Prager Innenministerium, vorbei an pompösen Wohnhäusern von Lobbyisten und korrupten Politikern, bis hin zu überteuerten Bauprojekten. Der Gründer der kuriosen Reiseagentur ist Petr Sourek. Er wurde 1974 in Prag geboren, kennt sich also auch hinter den Kulissen gut aus und ist Theaterautor und Regisseur. Er hat sich die Schattenseiten des Postkommunismus auf seine Fahnen geschrieben. Tschechien habe den „Korruptionstourismus“ erfunden, so der erfinderische Prager.

In der Tat sieht es beim frischen Mitglied Europas nicht sehr ehrlich aus: Auf dem Länderindex der Korruptionswahrnehmung landet Tschechien auf dem 57. Platz, gemeinsam mit Namibia und Saudi Arabien. Gewinner der Liste von Transparency International sind Neuseeland und die skandinavischen Länder, Deutschland ist auf Platz 14.

Doch was gibt es nun genau auf der Stadtführung der Korruption zu sehen? Großes Highlight ist der Bau einer Tunnelausfahrt, die mit ihrer Strecke von 6,4 Kilometern einer der längen innerstädtischen Tunnel in ganz Europa wird. Das Projekt hat schon mehrfach die vorgesehenen Kosten gesprengt, im ganzen Land wird über Sinn und Unsinn des Projekts gestritten. Der Reiseführer im skurrilen Kostüm nennt es zynisch die „größte Goldmine“ im Land und eilt schnell zu einer Villa unweit der Prager Burg weiter. Hier soll ein bekannter Lobbyist wohnen – in bester Nachbarschaft mit zahlreichen tschechischen Spitzenpolitikern. Dann geht auch schon weiter: Zu nicht existierenden Briefkastenfirmen und weiteren sinnlosen Betonmonumenten. Wer bei der korrupten Stadtführung mitmachen will, sollte vor allem eins haben: viel Humor. Wann es wohl die erste Korruptions-Stadtführung in Deutschland gibt?

2 Kommentare

  1. Dorit K. sagt:

    Außergewöhnliche Stadtrundgänge sind genau das Richtige für Touristen, die entweder schon alles gesehen haben oder gar nicht alles sehen wollen. Ich habe mal in Bath einen Comedy Walk mitgemacht, der nannte sich “Bath Bizarre” und wurde von einem lustig gekleideten Entertainer angeführt. Er hat die baulichen Besonderheiten in der Stadt und die Bewohner und ihre Besonderheiten herrlich auf die Schippe genommen. Ich kann jedem Touristen so einen Spaziergang abseits der Massen empfehlen. Man erhält unvergessliche Eindrücke!

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