Ungarns rechtsextreme Jobbick-Partei


Wir schreiben das Jahr 1882 in einem kleinen Dorf namens Tiszaeszlár, als die 14jährige Eszter Solymosi auf einmal nicht auffindbar ist. Das kleine Gemeinde ist in Aufruhe und nach erfolgloser Suche nach dem kleinen Mädchen geschieht das Unfassbare: 15 im Dorf ansässige Juden werden beschuldigt im Rahmen des Pessachfestes einen Ritualmord an dem christlichen Bauernmädchen begangen zu haben. Der mit dem Freispruch für alle Angeklagten endenden Prozess erregte ungemeines Aufsehen und gilt bis heute als Mahnmal des konservativen Antisemitismus in Ungarn. 

Dass dieses dunkle Kapitel ungarischer Geschichte jetzt ein trauriges Revival erlebt, ist Zsolt Baráth der Parlamentspartei Jobbik zu verdanken. Jobbik hält 47 von 386 Mandaten im Parlament und gilt als extrem rechts gerichtete Partei. Nach Ansichten ihres Abgeordneten Baráth war der Freispruch der jüdischen Angeklagten “aufgrund von äußerem Druck” gegenüber dem Richter entstanden – der zweite Skandal binnen einem Monat, nach der Affäre des Kreises um Ministerpräsident Orbán. Die Regierung reagierte auf die polemischen Äußerungen Baráths zwei Tage in Verzug und recht verhalten, offizielle Vertreter der Kirche verurteilten die Aussagen aufs Schärfste und äußerten ihre Besorgnis über die Situation. 

Das Pessachfest wird in der jüdischen Tradition gefeiert, um das Ende der Unterjochung Ägyptens zu feiern. Die Juden konnten Gottes Strafe durch eine Markierung aus Blut an ihrer Tür vermeiden, während die Ägypter bestraft wurden. Die Bewohner des Dorfes Tiszaeszlár unterstellten der jüdischen Gemeinde, das Blut des jungen Mädchens für ein Ritual genutzt zu haben. Nach verschiedenen Berichten wurde zwei Monate nach dem Verschwinden eine Mädchenleiche im Fluss gefunden, an ihr wurden keine Spuren eines Ritualmordes gefunden, doch die Leiche konnte nicht definitiv identifiziert werden.

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