Verhaftet: Politische Straßenkunst in Prag


© Anio? - Fotolia.com

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Kritische Stimmen sprechen vom Sterben des Prager Charmes. Sturzbetrunkene, verhaltensauffällige Touristen aus aller Herren Länder hätten die goldene Stadt als billiges Pilgerziel für berauschte Wochenende entdeckt und würden die tschechische Hauptstadt in eine stinkenden Kloake verwandeln.

Roman Týc ist einer von ihnen. Der tschechische Aktionskünstler sorgte 2008 für Furore, als er aus Protest gegen die unzumutbaren Zustände die Ampelmännchen von Prag austauschte. Aus dem stramm stehenden, roten Männchen wurde so ein Wildpinkler, der sich wenig um die begangene Ordnungswidrigkeit scherte. Die Prager Stadtverwaltung bewies angesichts dieser Dreistigkeit wenig Sinn für Humor. Sie verurteile den Künstler zu einer Erstattung des Schaden in Höhe von 3.300 Euro, die er ohne zu Murren bezahlte. 

Ein zusätzliches Bußgeld von 2.400 Euro ist er allerdings nicht bereit zu zahlen. Nach mehreren Berufungsverfahren und aufgrund seiner stetigen Weigerung die Summe zu begleichen, verurteilte das Gericht Tyc nun in Abwesenheit zu einer Haftstrafe von einem Monat. 

Der Antritt dieses Gefängnisaufenthalts ist nun fällig. Als wäre die Situation nicht absurd genug, soll der Künstler die Strafe ausgerechnet in Pankrác absitzen. Pankrác ist die berüchtigte Strafanstalt aus alten sowjetischen Zeiten, hielt über Jahre hinweg Systemkritiker hinter Schloss und Riegel. Natürlich wird Týc diese Haft schon aus Gründen der Ästhetik des Protests antreten. Die Strafe könnte dem 38-Jährigen sogar gelegen kommen, untermauert sie doch seine These von einem völlig hurmorlosen, autoritären Staat, der dem modernen Tschechien auf keinen Fall würdig ist. 

Bereits im Jahr 2010 war der Künstler wegen einer anderen Aktion festgenommen worden. Die Ordnungskräfte gingen dabei nicht gerade zimperlich vor.

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